Theodor Zeh war das am längsten dienende Vorstandsmitglied des ÖOC (Österreichisches Olympisches Comitee). Auch er ist zurückgetreten - ein STANDARD-Interview
Standard: Mit Verlaub. War oder ist das ÖOC ein Sauhaufen?
Zeh: Nein. Vorübergehende Probleme heißen nicht, dass der Gedanke Olympisches Komitee oder Olympia schlecht ist. Seit Turin 2006 gab es Irritationen, die zu einer beachtlich unangenehmen internen Situation geführt haben.
Standard: Was ist schiefgelaufen? Ein kompletter Vorstand tritt ja nicht aus Spaß zurück.
Zeh: Die Diskussion war erfüllt von Animositäten, Emotionen und Vorwürfen. Das ging unter die Gürtellinie, war echt tief. Ein gedeihliches Zusammenarbeiten wäre nicht mehr möglich gewesen.
Standard: Sportminister Darabos meinte nach der Vorstandssitzung, das ÖOC müsse sich stärker an den Bedürfnissen der Athleten orientieren. Er sprach von einem guten Tag für den österreichischen Sport.
Zeh: Das halte ich für eine mittelmäßige Vereinfachung. Und zwar deshalb, weil es keinen Sportler gibt, der nicht ein Umfeld braucht. Man kann einem Athleten nicht 10.000 Euro in die Hand drücken. Man muss Masseure, Mediziner, Coaches zur Verfügung stellen, Reisen gehören organisiert. Das muss bezahlt werden. Sonst wäre der Spitzensport hilflos.
Standard: Haben sich die Funktionäre zu wichtig genommen?
Zeh: Das glaube ich nicht. Es war eine Fehlüberlegung, nicht ehrlich zu sagen: Wenn ich mich für Salzburg bewerbe, muss ich international jene Dinge tun, die üblich sind. PR auf der ganzen Welt, von Tokio bis Montevideo, das kostet. Man muss aufschreiben, wem man was zahlt. Mit Verlaub, nichts für ungut. Da werden auch Journalisten auf der Pay-Roll gestanden sein.
Standard: Hat die interne Kontrolle versagt? Hatte Generalsekretär Heinz Jungwirth, für den natürlich die Unschuldsvermutung gilt, zu viel Macht?
Zeh: Noch einmal. Man darf die Dinge nicht verwechseln. Das eine ist der komische Unterstützungsverein, das andere ist das ÖOC. Das ÖOC hat die Causa Jungwirth erledigt, ist sauber. Wird man möglicherweise hintergangen, ist das ein anderes Thema, da kommt man später drauf. Es gab eine Kontrolle.
Standard: Österreich kann sich nach den Vorfällen Kandidaturen für Spiele abschminken, oder?
Zeh: Der Minister hat mit dieser Aussage übertrieben. Die Bedingungen, unter denen man sich heutzutage bewerben kann, sind unerfüllbar. Zu teuer. Wir sind zu klein, derpacken das nicht mehr. Das muss man akzeptieren. Ob es ein gute Entwicklung ist, wage ich zu bezweifeln.
Standard: Fiel Ihnen der Rücktritt schwer? Sollte Karl Stoss Sie ersuchen, in den Vorstand zurückzukehren, wären Sie dazu bereit?
Zeh: Persönlich fällt mir der Abschied überhaupt nicht schwer. Mich macht die schlechte Stimmung traurig. Das ÖOC war der Inbegriff einer noblen Art, Sport zu organisieren. Das ist zumindest derzeit verlorengegangen. Ich habe immer für den gesamten österreichischen Sport, ohne Rücksicht auf Parteipolitik, gearbeitet. Fragt mich Stoss, werde ich ihm bei Gelegenheit eine Antwort geben. In eine Streitpartie kehre ich sicher nicht zurück.
Standard: Was bleibt von der Ära Leo Wallner?
Zeh: Große internationale Reputation, die Aufarbeitung der Dopingaffäre mit dem Parlament war hervorragend. Persönlich war Wallner zuletzt ein bisserl ungeschickt.
Standard: Was erwarten Sie von Nachfolger Stoss?
Zeh: Er war selbst Spitzensportler, er ist flexibel und ein guter Organisator. Ich erwarte von ihm viel.
Standard: Die drei Hauptprobleme des österreichischen Sports?
Zeh: Es herrscht zu wenig Professionalismus, Lippenbekenntnisse genügen nicht. Die Spitzensportler müssen sich wie Profis benehmen, das ist ein Fulltimejob. Die Funktionäre sollen sich nicht zu wichtig nehmen, keiner ist unersetzbar. Die Republik bemüht sich, da bin ich ein bisserl beim Darabos. Die Verwendung der Mittel gehört an strengere Auflagen gebunden. Die Meinung, oben schmeißt man 100.000 Euro rein, und unten kommen zwei Bronzemedaillen raus, ist falsch. Richtig ist: Werden Vorgaben nicht eingehalten, muss man Subventionen kürzen. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 25.09.2009)
ZUR PERSON:
Theodor Zeh (74) jobbte als Jurist bei der Wirtschaftskammer NÖ.
Er war Präsident des Tennisverbandes und Vorsitzender des Bundessportfachrates der BSO. Seit 20 Jahren sitzt (saß) Zeh im Vorstand des ÖOC (Schriftführer).
http://derstandard.at/fs/1253807715250/Das-ging-unter-die-Guertellinie-war-echt-tief